Wie sinnvoll sind Cheat Days? | Intuitiv Essen

Cheat Days sind bekannt und auch beliebt. Sind sie aber wirklich sinnvoll? Solltest du Cheat Days machen?

Das Phänomen „Cheat Days“ ist sicher nicht an euch vorbeigegangen – wohin man auch blickt, finden sich auf sämtlichen Social Media Kanälen Bilder von Junkfood-Bergen, durch die sich Menschen an einem Tag wühlen. Was hat es mit diesen Schummeltagen auf sich und wie sinnvoll sind sie eigentlich? Was ist meine Meinung zu dem Thema?

Eines vorweg: mit diesem Beitrag möchte ich niemandem zu nahe treten, der gerne Cheat Days durchführt und für den sie auch funktionieren. Wenn ihr damit glücklich seid, ist das kein Problem! Dieser Beitrag richtet sich viel mehr an die Jungs und Mädels, denen es vielleicht genau so geht wie mir früher. Die ihre Nahrungsmittel strikt in gut und schlecht unterteilen, eine ungesunde Beziehung zum Essen haben oder die Cheat Days durchführen, weil sie wie ich früher die richtige Balance noch nicht gefunden haben. Die dann in richtige Fressattacken verfallen – und unglücklich damit sind.

Was sind Cheat Days?

Um dies gleich mal erklärt zu haben: Cheat Days sind Tage, an denen man von seiner üblicherweise strengen Diät abweicht und sich alles gönnt, worauf man Lust hat. Die Junkfoodzufuhr auf einen Tag (pro Woche, pro Monat, …) zu begrenzen, soll den Sinn haben, die Gelüste eine Weile lang „ruhigzustellen“ und sich wieder einige Zeit lang auf die Diät oder generell „saubere“ Ernährung konzentrieren zu können. Dann wird zur Gänze gesund gegessen – also „clean“. Oft wird das ganze dann auch auf eine einzige Mahlzeit begrenzt, das „Cheat Meal“.

Nicht zu verwechseln ist das ganze mit einem Refeed Day, der beispielsweise während einer Bodybuilding Diät durchgeführt wird, um den Stoffwechsel wieder anzukurbeln!

Macht das Sinn?

Sich grundsätzlich gesund zu ernähren ist in keiner Weise ein Problem und natürlich positiv zu bewerten. Das Problem dahinter ist, dass sich viele (auch Bodybuilder) sehr zur gesunden Ernährung zwingen und sich dann oft wochenlang auf Schummeltage freuen. Diese werden dann zu regelrechten Fressorgien, wo alles „hineingeschaufelt“ wird, was im Magen Platz hat – oder sogar noch mehr.

Das hat mit gesunder Ernährung natürlich nichts mehr zu tun. Solche extremen Cheat Days machen einen Teil des Fortschritts zunichte, aber was daran viel problematischer ist: sie vermitteln eine ungesunde Beziehung zum Essen.

Welchen Sinn hat es, sich eine ganze Woche lang zum gesunden Essen zu zwingen und sich alles zu verbieten, nur um sich dann auf einen Tag in der Woche zu freuen, an dem man abends Bauchweh hat vor lauter Junkfood? Klar, dann freut man sich wieder einen Tag lang über das gesunde Essen – aber nach kurzer Zeit ist diese Freude wieder verschwunden und der Zwang geht von Neuem los. Es wird strikt in „sauber“ und „schmutzig“ unterteilt – sozusagen in gut und schlecht.

Versteht mich nicht falsch, es gibt natürlich Lebensmittel die für den Körper vorteilhafter oder eben weniger sind – dennoch sollten sie nicht strikt unterteilt werden, kein Lebensmittel ist an sich falsch, schmutzig oder schlecht! Sobald eine solche Unterteilung stattfindet, macht sich oft auch schlechtes Gewissen bemerkbar, sobald einmal von der Diät abgewichen wird.

Oft wird dann nach dem „jetzt-ist-es-auch-schon-egal-Prinzip“ gehandelt und ein ganzer Kuchen findet seinen Weg in den Bauch. Um dem schlechten Gewissen entgegen zu wirken, wird das ganze dann „Cheat“ genannt und gerechtfertigt.

Was ist daran falsch?

Was bedeutet für euch gesunde Ernährung? Klar, ihr werdet jetzt sagen, viel Obst, viel Gemüse und Vollkornprodukte, relativ fettarm und viel Wasser trinken. Stimmt auch. Aber was dabei noch fehlt, ist der psychische Aspekt. Die gesündeste Ernährung kann schlecht für mich sein, wenn ich mich dazu zwinge. Zu einer gesunden Ernährung gehört auch, dass ich auch Schokolade essen kann, ohne darüber nachzudenken – weil keine Bewertungen im Kopf stattfinden. Brokkoli ist nicht besser als Schokolade – er tut meinem Körper zwar gut und versorgt mich mit wichtigen Nährstoffen, hat aber mit Sicherheit nicht denselben Wert für mich wie ein Stückchen Schokolade. Der Trick ist, daraus die richtige Balance zu finden – zum Mittagessen gibt’s eine Gemüsepfanne mit Brokkoli (die würde ja mit Schokolade drin gar nicht schmecken 😛 ) und danach eben ein Stück Schokolade, weil ich Lust darauf habe.

Am  nächsten Tag esse ich vielleicht dann eine halbe Tafel – dann wieder ein paar Tage gar keine. Und das ist okay! Genau so sieht eine ausgewogene Ernährung nämlich aus!

Cheat Days vermitteln leider aber in keiner Weise diese Sichtweise. Die strikte Unterteilung in schwarz und weiß ist quasi das Gegenteil davon. Sich abhängig von bestimmten Wochentagen nur das eine oder das andere zu erlauben, ist nicht nur langfristig zum Scheitern verurteilt, sondern macht auch nicht glücklich.

Cheat Days

Wo fange ich an?

Wer in seiner Cheat Day-Clean Eating Spirale feststeckt, dem fällt es oft schwer, da wieder herauszukommen. Hier gibt es nur einen einzigen Weg:

Einfach tun.

Das klingt für viele von euch vielleicht sehr schwierig oder gar unmachbar – aber das ist es nicht. Einen anderen Weg gibt es oft nicht. Einfach die Küchenwaage wegräumen und ab sofort nichts mehr abwiegen. Vielleicht befürchtet ihr, dass ihr euch nur noch von den vorher verbotenen Lebensmitteln ernähren wollt, sobald die Schranken fallen. Und wenn das anfangs so ist, ist das auch kein Problem! Es geht darum, dass ihr eure Balance findet – und wenn ihr zuerst das eine Extrem abgetastet habt, dann ist es auch okay, mal das andere zu erleben. Dann heißt es aber dennoch, nicht einfach alles hineinstopfen, was ihr findet, sondern versuchen, so gut es geht auf die inneren Hunger- und Sättigungsgefühle zu hören. Ab und zu vielleicht versuchen, gesunde Lebensmittel in eure Ernährung einzubauen. Mit der Zeit pendelt sich das Ganze dann ein.

Bei mir hat der Prozess etwa ein Jahr gedauert. Vielleicht ist er bei euch kürzer, vielleicht länger. Lasst euch aber nicht aus der Ruhe bringen. Vertraut eurem Körper. Er weiß schon, was er tut. Trust the process – er ist es allemal wert!

Wenn ihr euch in die Materie „Intuitives Essen“ noch mehr hineinlesen wollt oder mehr Tipps zu dem Thema möchtet, kann ich euch unbedingt das Buch „Intuitiv Abnehmen“ empfehlen – mir hat es total geholfen.

Wie geht es euch damit? Führt ihr Cheat Days durch oder seid ihr vom Intuitiven Essen überzeugt?

Bis bald!

Eure Melanie

(Ich muss ehrlich sein, dieser Beitrag ging in eine ganz andere Richtung, als ich es ursprünglich geplant hatte. Aber es handelt sich dabei um ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Deshalb ist er auch etwas länger und auch ein wenig persönlicher geworden. Danke, wenn ihr ihn euch ganz durchgelesen habt! 🙂 )

Balance is the key!

1 Kommentar

  1. […] ein paar gesättigte Fettsäuren mehr enthalten. Gönnt euch auch einmal etwas – solange die Balance stimmt, ist das gar kein Problem! […]

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