Where To Start (3) – Falsche Vorbilder

Es ist kein Geheimnis mehr, Fitness ist zum Trend geworden. Gefühlt jeder zweite Instagramaccount hat ein “Fit” im Namen, und die Hashtags #fitnessaddict oder #fitnesslifestyle werden unter jedes Bild gesetzt.

Das hat natürlich einen großen Vorteil: man kann sich immer wieder neue Motivation holen, indem man Instagrambilder durchklickt und sich vielleicht auch den einen oder anderen Tipp holen (aber Achtung – nicht jede Seite ist seriös! Mehr dazu lest ihr in diesem Beitrag).

Je mehr Zeit man auf solchen Social-Media-Plattformen bringt, umso problematischer wird die Sache. Was anfangs noch als Motivationskick dient, wird irgendwann zu unglaublichem Druck. Man möchte unbedingt genauso aussehen wie das Mädel auf der “Bossgirls”-Seite, will unbedingt Bauchmuskeln sehen und natürlich wunderschöne, straffe Haut haben.

Ich hab es genauso gemacht. In meinem Feed erschienen irgendwann nur noch Beiträge zu Fitness und Ernährung. An sich ja kein Problem, aber ich hab mich davon mit der Zeit extrem unter Druck gesetzt gefühlt. Darf ich unter meine Fotos wirklich #girlswholift schreiben, obwohl ich nicht so gut aussehe wie die anderen Mädels, die diesen Hashtag benutzen? Von straffer, gebräunter Haut und Knackpo mit Wespentaille bin ich schließlich weit entfernt.

Ich war nie ein sehr selbstbewusster Mensch, musste erst lernen, an mich selbst zu glauben und mir auch etwas zuzutrauen. Vor allem musste ich lernen, dass ich so okay bin, wie ich bin. Klar, niemand findet sich selbst perfekt, aber Selbstakzeptanz und -liebe ist ein Grundrecht jedes Menschen. Leider hat der Druck der Social-Media-Seiten dazu geführt, dass ich mich immer mehr selbst kritisiert habe, immer wieder etwas gefunden habe, was mir nicht gefällt, und dabei alles positive an mir übersehen.

Was ich aber nicht wusste: nicht einmal die Frau auf den Instagrambildern sieht aus wie die Frau auf den Instagrambildern. Damit meine ich, dass der Großteil dieser Fotos extrem gestellt sind. Viele davon sind bei Fotoshootings entstanden, für die vorher oft strenge Diät gehalten und vielleicht sogar entwässert wurde. Dazu kommen noch kleine Wundermittelchen namens Weichzeichner und Filter – und schon ist die Haus makellos, der Po wunderschön rund und die Bauchmuskeln hart wie Stahl. Natürlich sitzen auch Make-Up und Haare perfekt, denn wer lässt sich schon ohne Styling ablichten?

Wenn es sich nicht gerade um professionelle Shooting-Fotos handelt, wurden sie morgens auf nüchternen Magen vor dem Spiegel oder nach dem Training mit “Pump” gemacht, damit der Bauch möglichst flach und die Muskeln prall aussehen.

Im Grunde ist dagegen ja nichts zu sagen – schließlich möchte jeder vorteilhafte Fotos von seiner besten Seite zeigen. Das ist menschlich, auch ich mache das. Aber dann darf man als Betrachter nicht vergessen, dass diese Fotos nicht die Realität darstellen. Es gibt nur eine Handvoll Menschen, die tatsächlich das ganze Jahr so aussehen – und das sind die, die ihr Geld damit machen, gut auszusehen, so wie etwa Fitnessmodels. Der Großteil der Menschen aber, und damit eingeschlossen auch die Frau auf den Insta-Bildern, werden die meiste Zeit nicht so aussehen, wie sie es auf ihren Fotos tun.

Wie kann ich den Druck von außen vermeiden?

Zwischen Motivation und Druck von außen liegt nur ein schmaler Grat. Man rutscht leider leicht auf die Seite des Drucks ab, und beginnt, sich selbst viel zu sehr kritisieren. Das ganze endet darin, dass man sich unrealistische Ziele setzt, indem man genauso aussehen möchte wie das Mädchen auf den Bildern.

Meine Tipps für euch:

  1. Setzt euch realistische Ziele.
    Ziele setzen ist wichtig – es gibt euch einen Motivationsschub und verleiht euch einen Fokus, der euch die Arbeit dort hin erleichtert. Es ist auch nichts falsches daran, sich große Ziele zu setzen, im Gegenteil, tut es! Aber: sie sollten dennoch realistisch sein. Seid ehrlich zu euch selber – ihr werdet nie so aussehen können wie ein Fitnessmodel auf Fotos, wenn nicht mal das Model selbst in Wirklichkeit so aussieht. Arbeitet darauf hin, die beste Version euer selbst zu werden. Ihr werdet sehen, dass es eine viel größere Motivation ist, die eigenen Fortschritte zu beobachten, anstatt sich ständig mit denen anderer zu vergleichen.
  2. Verliert nie den Blick auf die Realität hinter den Social-Media-Beiträgen.
    Klar, die Fotos sehen ästhetisch aus, aber dahinter steckt nicht sehr viel Realität. Vergesst niemals, dass jeder nur seine Schokoladenseite zeigt und nie 24/7 so aussieht. Verlangt nicht von euch selber, dass ihr so aussehen müsst. An euch selber zu arbeiten und euch immer verbessern zu wollen, ist wichtig. Aber wenn ihr euren Körper jetzt nicht mögt, wie er ist, wird er euch auch mit 10 Kilogramm weniger und Sixpack nicht gefallen. Akzeptiert und liebt euch selber so wie ihr seid, und ihr werdet sehen, dass ihr gar nicht mehr so aussehen müsst und wollt wie eure Vorbilder.

“You are allowed to be both a masterpiece and a work in progress, simultaneously.”

masterpiece, work in progress

Im nächsten Teil der Reihe “Where To Start?” geht es um falsche Motive, und welche Auswirkungen diese haben können.

3 Kommentare

  1. […] unseren Körper. Wir sind unzufrieden mit uns selber. Das hat viele Gründe: vielleicht weil unsere Vorbilder „besser aussehen“ als wir, vielleicht weil jemand anderer eine blöde Bemerkung gemacht hat. Vielleicht aber auch, […]

  2. […] Sinn macht, alles auf einmal zu wollen, woher ihr eure Information nehmen könnt, und warum die falschen Vorbilder und Motive euch auf lange Zeit nur frustrieren. Jetzt wisst ihr aber wahrscheinlich immer noch […]

  3. […] nächsten Beitrag meiner „Where To Start“-Reihe geht es um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: die falschen Vorbilder und das Setzen von […]

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