#keinsixpackaberhappy

Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich es auch durch. Ich gebe 100%, immer. Dementsprechend schwer war es für mich, zu der Entscheidung zu kommen, diese Diät schon etwas früher zu beenden. Nein, ich bin noch lange nicht da, wo ich hin wollte. Natürlich würde ich gerne meine Bauchmuskeln sehen und auf der FIBO in Köln präsentieren.

Dennoch höre ich jetzt auf, diesen „Traum“ zu verfolgen. Das hat verschiedene Gründe, doch der Hauptgrund ist der, dass es mir mittlerweile wahnsinnig schlecht geht. Nach über zehn Wochen im Kaloriendefizit sind Energielosigkeit und ständiger Hunger noch die kleinsten Probleme. Schlimmer ist für mich, dass ich wirklich unglücklich geworden bin. Klar, es war toll, immer wieder Fortschritte im Spiegel zu sehen – hier ein bisschen weniger Cellulite, dort einen Muskel, den man schon besser sieht. Und die Adern auf den Armen, oh Gott, die Adern! Aber anstatt mich darüber wirklich zu freuen, ging es mir Tag für Tag schlechter. Anstatt meinem Freund dafür dankbar zu sein, dass er mich immer unterstützte und sein Bestes tat, durfte er sich jeden Tag aufs Neue alles Mögliche anhören, was mir nicht passte. Ich habe alles an ihm ausgelassen, weil ich mit mir selbst nicht zufrieden war. Ebenso auch an jedem anderen, der versuchte, mir zu helfen oder mich zu unterstützen.

Auch auf andere Bereiche hat sich das natürlich ausgewirkt. Im Beruf habe ich sämtliche Geduld verloren und musste mich oft zurückhalten, weil ich mit manchen schwierigen Situationen nicht mehr umgehen konnte. Beim Lernen konnte ich mich die letzten Wochen kaum konzentrieren, ohne Koffein (Cola Light sei dank) ging bei mir gar nichts mehr. Ich bin schon lange kein Kaffeetrinker mehr, ich hatte dank meiner Ernährung immer viel Energie – weshalb mir auch das zu schaffen machte.

Und das für mich schlimmste von allem: ich wurde traurig, pessimistisch und unmotiviert. Es gab Tage, an denen ich es hasste, ins Training zu gehen, und dementsprechend schlecht lief es dann auch. Obwohl die Jungs aus dem Fitnessstudio so etwas wie meine zweite Familie sind, wollte ich keinen mehr sehen, und wehe, irgendjemand redete mich an. Wo ich vorher Spaß mit ihnen hatte, wurde ich jetzt abweisend und kalt. Herzhaft gelacht habe ich schon lange nicht mehr.

Dazu kam noch, dass ich viel zu genau und pingelig wurde, was meine Ernährung betraf. Wenn ein Tag nicht gut lief, hätte ich heulen können – manchmal sogar getan. Das hat einen tieferliegenden Grund. Seit ich vor zwei Jahren mein Leben verändert und abgenommen habe, habe ich auch einige Dinge gemacht, auf die ich nicht stolz bin und die ich bereue, was eine komplizierte Beziehung zum Essen zurückgelassen hat. Darauf werde ich in diesem Beitrag aber nicht genauer eingehen.

Ich habe natürlich immer selbst gemerkt, dass mich diese Diät fertig machte. Ein großer Teil davon war auf meine Einstellung zurückzuführen – ich hatte schlichtweg keinen Bock mehr darauf. Aber diese Einstellung zu ändern kostete mir zu viel Energie. Ich war aber bisher auch zu stur, um mir einzugestehen, dass das so nicht weitergehen konnte.

Deshalb höre ich mit dem heutigen Tag auf. Ich will wieder Spaß am Trainieren haben, wieder Spaß am Essen, Spaß am Leben! Ich will wieder glücklich sein. Ich will wieder Leistungen erbringen, und wieder lächelnd und motiviert durchs Leben gehen. Scheiß auf’s Sixpack, scheiß aufs „Lean-sein“.

Es gibt wichtigere Dinge im Leben, als einen perfekten Körper zu haben.

Am Ende des Tages bekomme ich keinen Preis dafür, dass ich meine Abs sehen kann. Was wirklich zählt, sind die Menschen, die mir wichtig sind, die hinter mir stehen. Ebenso meine Ausbildung. Bald starten die Aufnahmetests für mein Wunschstudium und ich würde es mir nie verzeihen, diese wegen der Diät zu vermasseln.

Ich bin dennoch froh, diese zehn Wochen gemacht und auch durchgezogen zu haben. Ich habe viel über mich selbst und meinen Körper gelernt. Vor allem aber hat mir diese Diät gezeigt, wo meine Prioritäten wirklich liegen. Ich habe mich dazu entschlossen, nie in einem Wettkampf in der Bikini Klasse anzutreten. Mir ist viel wichtiger, behaupten zu können, das stärkste Mädchen im Studio zu sein und sogar mehr Kraft als die meisten Männer bei uns zu haben. Ich liebe es, schwere Gewichte zu bewegen, und mit jedem Training spürbar stärker zu werden! Und vor allem liebe ich es, zu kochen, zu backen, und zu essen. Das lasse ich mir nicht mehr von einer Diät nehmen, die mich im Endeffekt nicht glücklich macht und mich mit einem Körperfettanteil zurücklässt, den ich sowieso nicht halten kann.

Dieser Blogpost soll nicht meine Ausreden aufzählen. Er soll keine Rechtfertigung dafür sein, dass ich „aufgegeben“ habe. Vielmehr soll er euch zeigen, dass es okay ist, wenn sich eure Ziele ändern. Dass es okay ist, etwas hinter euch zu lassen, was euch nicht glücklich macht. Meiner Meinung nach habe ich nicht aufgegeben. Vielmehr habe ich sogar gewonnen. Vielleicht keinen Sixpack, keine cellulitefreie Haut. Ich habe nicht den Körper, den ich ursprünglich wollte. Dafür habe ich gelernt, meinen eigenen Körper wie er ist zu lieben. Und das ist der größte Gewinn, den ich machen konnte.

Happiness

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